Hamburger Kita-TÜV gescheitert.

Der Hamburger Kita-TÜV sollte die Qualität der Kindertagesstätten in Hamburg evaluieren. Nach über 2 Jahren Arbeit am Konzept stellt nun die Akkreditierungsstelle „Evita – Evaluation in Kitas“ ihre Arbeit ein. Das Folgeprojekt „Kita-Inspektion“ wird frühestens im Herbst 2016 vorgestellt.

Der eigentliche Plan, der im April 2014 vorgestellt wurde, klang erstmal vielversprechend. Der Hamburger Kita-TÜV sollte die Qualität der Hamburger Kitas evaluieren und somit dazu beitragen, dass Kitas ihre Qualitäten und Leistungen weiter verbessern können.

Grundlage dafür waren die bereits 2012 veröffentlichten „Hamburger Bildungsempfehlungen“ in denen für die Bildung und Erziehung von Kindern in Tageseinrichtungen Qualitätsansprüche und -indikatoren erarbeitet wurden, die den Orientierungsrahmen für die pädagogische Arbeit in den Kitas beschreiben sollten. Die Bildungsempfehlungen sollten die Grundlage für die Qualitätssicherung und -entwicklung in den Kitas und für eine externe Evaluation bilden.

Die von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) unabhängige „Evita“ sollte als Akkreditierungsstelle für externe Anbieter von Evaluationsverfahren fungieren und dafür Sorge tragen, dass im Vorfeld formulierte Eckpunkte der Evaluation erfüllt werden. Die Aufgaben wurden so formuliert:

  • Stärkenorientierte, fachlich fundierte Einschätzung der erreichten Qualität
  • Fachlich fundierte Einschätzung von Entwicklungsbedarfen
  • Konkrete Empfehlungen für die Planung und Umsetzung weiterer Entwicklungsschritte und Maßnahmen
  • Grundlage für eine landesweite Qualitätsberichterstattung schaffen

Dabei sollte der Kita-TÜV kein reines Kontrollorgan sein. Der Hamburger Senator der BASFI Detlef Scheele sagte dazu, das es vielmehr darum gehe, „dass sich alle Akteure der Kindertagesbetreuung der gemeinsamen Verantwortung für die Qualitätsentwicklung und -sicherung in Kitas stellen“.

Hugo_Oehmichen_Im_KindergartenWeiter sollte es so auch Eltern schon im Vorfeld möglich gemacht werden, sich über die Arbeit und Qualität der jeweiligen Kita zu informieren. Besonders dieser Punkt erscheint auch dringend notwendig. Denn trotz des Wunsch- & Wahlrechtes im sozialen Sektor, also der Möglichkeit sich die Einrichtung frei auszusuchen, gibt es bislang wenig bis gar keine unabhängigen Informationen zur Qualität und den einzelnen Angeboten der Einrichtungen. Von einer gesammelten Übersicht ganz zu schweigen.

Doch es kommt ja erstens eh alles anders und zweitens als man denkt. Ursprünglich sollte bereits im Herbst 2014, dann aber spätestens im Sommer 2016 erste externe Anbieter akkreditiert werden, die damit beginnen sollten den Kita-TÜV umzusetzen. Doch Neuigkeiten zum Kita-TÜV suchte man lange Zeit vergebens. Ein kurzer Text auf hamburg.de  vom Februar 2016 zur Neuausrichtung bezüglich der Kita Qualitätskontrolle war alles, was man finden konnte. Schließlich wurde auf dem Blog der Kita Management Akademie ein kurzer Artikel veröffentlicht, der das Aus des Kita-TÜVs verkündete. Auf unsere Anfrage bei der BASFI kam folgende Antwort:

Mit der professionellen und fachkundigen Unterstützung der Akkreditierungsstelle „Evita – Evaluation in Kitas“ der Firma Rambøll Management Consulting wurde in den vergangenen zwei Jahren am Konzept der externen Evaluation für die Hamburger Kitas gearbeitet. Unter Beteiligung von Kita-Trägern und -Verbänden sowie des Landeselternausschusses Kita als auch der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) wurde versucht, einen gemeinsamen Weg für die Qualitätssicherung und -entwicklung der Arbeit in den Kitas zu finden. Trotz intensiven Bemühens konnte abschließend keine Einigung hinsichtlich der Umsetzung erzielt werden. In der Folge wurde das Projekt eingestellt.

Die Durchführung der Qualitätssicherung und -entwicklung für die Hamburger Kitas wird nun neu ausgerichtet. Die BASFI als zuständige Fachbehörde hat grundsätzlich entschieden, den im Hamburger Kinderbetreuungsgesetz bereits aufgezeichneten Weg der Einführung einer Kita-Inspektion zu gehen.“

Dieser Text wurde, nachdem wir auch direkt bei Evita über den Status des Kita-TÜVs nachgefragt hatten, auf der offiziellen Homepage veröffentlicht. Weitere Informationen sind bislang leider nicht zu bekommen. Dabei wäre es durchaus interessant zu erfahren, woran es denn genau gelegen hat, dass die Arbeit nun, nach über 2 Jahren, eingestellt wurde.

Zum einen geht es schließlich um die Qualität unserer Kita-Einrichtungen. Zum anderen wurden dafür auch einige Steuergelder verwendet. Laut der Antwort auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Christoph de Vries (CDU) vom 13.10.2014 wurden für die Akkreditierungsstelle Evita im Jahr 2013 230.000€ und in den Folgejahren je 200.000€ bereitgestellt. Falls die Gelder für 2016 geflossen sind, sprechen wir also von 830.000 €. Ausgaben, die zu keinem Ergebnis geführt haben.

Senatsantwort auf die kleine Anfrage von Christoph de Vries vom 21.10.14

Senatsantwort auf die kleine Anfrage von Christoph de Vries vom 21.10.14

Laut BASFI soll nun anstelle des Kita-TÜVs eine Kita-Inspektion umgesetzt werden. Man arbeite derzeit an einem Konzept, welches frühestens im Herbst 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll:

„Das Konzept der Kita-Inspektion soll neben den inhaltlichen Themen auch rechtssystematisch die derzeit auf Bundesebene diskutierten Änderungen des SGB VIII zum Thema der ‚Örtlichen Prüfung‘ (§ 46 SGB VIII) berücksichtigen. Ein entsprechender Referentenentwurf zur SGB VIII-Änderung ist für den Sommer d.J. angekündigt.“

Bis sich also etwas im Bereich der Kita-Evaluation tun wird, wird sicherlich noch eine ganze Weile vergehen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern dringend benötigte Transparenz in der neuen Kita-Inspektion vorgesehen ist, welche Informationen für Eltern frei einsehbar sein werden und ob auch die Kundenmeinung mit Einfluss in die Inspektionen finden wird.

Wir sind gespannt was daraus wird. Bis dahin arbeiten wir weiter mit Hochdruck an Soziago, um so für ein wenig mehr Transparenz von unten zu sorgen.

Sobald es Neuigkeiten gibt, erfahrt Ihr sie hier bei uns im Blog. Wir bleiben dran.

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